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Die Schuluntersuchung Story
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Die Schuluntersuchung Kapitel 5


Die Schuluntersuchung Story, 17 May. 2005 21:54


Teil 5
Irgendwie musste ich eingenickt sein, denn als meine Mutter nach Hause kam, fand sie mich schlafend auf der Couch. Sie rüttelte mich an der Schulter wach und erschrocken fuhr ich hoch: Der Fernseher lief noch, der Film war natürlich längst aus. Ich hatte mich in eine Decke gekuschelt und war auf der Couch zusammengesackt eingeschlafen. So ein Mist. Schuldbewusst wie ein geprügelter Hund nahm ich mein Korsett in die Hand, was vor der Couch stand und wollte es gleich wieder anlegen. Meine Mutter stand hinter mir und achtete darauf, dass ich es gleich wieder ordnungsgemäß verschloss. Dann ging ich wortlos an meiner Mutter vorbei ins Bad. Sie trat einen Schritt zurück und schaute mir nach.
Als ich am nächsten Mittag von der Schule nach Hause kam, war meine Mutter nicht da. Statt dessen fand ich einen Brief am Küchentisch, den sie für mich hingelegt hatte. Ich las interessiert die Zeilen: „Meine liebe Tochter, leider hat mein Vertrauen zu Dir etwas gelitten. Ich habe hin und her überlegt, womit wir dieses Vertrauen wieder herstellen können und ich glaube, ich habe eine gute Idee dafür." Sie schrieb weiter, dass sie beim Recherchieren im Internet auf eine Lösung gestossen sei, bei der in das Beckenteil der Orthese ein temperaturgesteuertes Meßgerät eingebaut worden war. Der Zeitschalter sei so konstruiert, dass er ab einer bestimmten Temperatur sich schließen und die verstrichene Zeit zählen würde. Wenn das Korsett nicht angelegt sei, werde die notwendige Temperatur (34 Grad) nicht erreicht und der Timer bliebe stehen. So könnte man genau überprüfen, wie lange die Tragezeit des Korsetts wirklich sei. Ich musste schmunzeln. Ich glaubte meiner Mutter kein Wort. So ein Thermoschalter würde sicher nicht existieren und wenn ja fände sich doch wenigstens kein anständiger Orthopädiemechaniker, der einen solchen in eine Rumpforthese einbauen würde. Aber beim Runterschlingen meines Mittagessens, das ich mir in der Mikrowelle gewärmt hatte konnte ich so eine gewisse Restunsicherheit nicht ausräumen.
Aber da meine Mutter geschäftsbedingt über Nacht weg sein würde, hatte ich keine Gelegenheit, das mit ihr zu besprechen.
Plötzlich kam mir eine Idee: ich würde im Internet einfach nachforschen, ob es dazu irgendwelche Informationen gäbe. Ich setzte mich rasch an meinen PC und tippte bei google die Suchbegriffe „Zeitschalter“ und „Orthese“ ein und fand nichts. Da war ich vielleicht erleichtert und weil ich gar so sauer auf meine Mutter war und dass sie mir mit dieser Drohung nur Angst machen wollte, beschloss ich gleich den Nachmittag ohne mein Korsett zu genießen, weil sie es ja sowieso nicht merken würde.

Als meine Mutter am Abend von ihrer auswärtigen Geschäftsbesprechung zurück kam, sorgte ich natürlich dafür, dass ich rechtzeitig wieder mein Korsett angelegt hatte. Glücklicherweise erwähnte den Vorfall des Vorabends nicht mehr. Ich war sehr froh darüber, denn ich dachte, dass sie es vergessen hätte. Im Laufe des Abends war sie mir gegenüber recht schweigsam Ich widmete dem allerdings keine zu große Bedeutung und führte es darauf zurück, dass meine Mutter einen etwas erschöpften Eindruck machte.
Und so konnte mir nicht vorstellen, dass der Vorschlag im Brief meiner Mutter Realität werden sollte, doch ich sollte mich täuschen, denn schon am nächsten Tag war es so weit.
Als ich am Mittag aus der Schule kam, wartete meine Mutter mit dem Auto auf mich vor dem Schulgelände. „Steig ein, ich habe gleich einen Termin beim Orthopädietechniker vereinbart.“ „Was wollen wir denn da?“ fragte ich nichts ahnend. „Einige kleine Modifikationen an deinem Korsett einarbeiten, damit so was wie vorgestern abend nicht mehr vorkommen wird“, war ihre Antwort. Von einem Augenblick zum anderen stellte sich bei mir ein mulmiges Gefühl in der Magengegend ein aber ein Blick zur Seite auf das Gesicht meiner Mutter signalisierte mir, dass sie nicht in der Stimmung zu sein schien, darüber noch mehr sagen zu wollen. Also schwieg ich, bis wir bei dem Orthopädietechniker auf den Parkplatz fuhren. Wir betraten den Verkaufsraum und außer einer alten Oma, die sich über die Vorzüge von verschiedenen Kompressionsstrümpfen beraten ließ, schien nichts weiter los zu sein. Aus dem Werkstattbereich kam ein junger Mann, der uns freundlich begrüßte. Ihn hatte ich bis jetzt noch nie hier gesehen, aber er machte einen sehr sympathischen Eindruck. „Deine Mutter hat mir berichtet, dass deine Compliance mit dem Milwaukee-Korsett zu wünschen übrig lässt“, sprach er mich an. „Meine was?“ „Deine Compliance, also deine Einstellung zur Einhaltung der Tragezeiten des Korsetts oder einfach auch nur dein Durchhaltevermögen“, erklärte er geduldig, während er mir direkt in die Augen sah. „Deine Mutter hat darum gebeten, dass wir einen temperaturgesteuerten Chip in deine Orthese einbauen sollen, um das tägliche Trageprofil genau bestimmen zu können“. Mir lief es abwechselnd kalt und heiß den Rücken herunter. Die Sache schien doch ernster und realistischer zu sein, als ich gedacht hatte. „Komm doch bitte mal mit in den Umkleideraum und leg dort dein Korsett ab. Wir müssen an der Orthese dazu eine Kleinigkeit einarbeiten.“ Ich ging ihm nach und gleich um die Ecke war ein kleines Zimmer, das so ähnlich eingerichtet war wie ein Behandlungszimmer bei einem Arzt. An der einen Seite stand eine Behandlungsliege, die mit weißem Leder bezogen war und auf der anderen Seite war ein großer Wandschirm angebracht, hinter dem man sich ungestört umkleiden konnte. Ich tat wie mir geheißen und reichte ihm das Korsett durch den Vorhangspalt nach außen. „Es wird so etwa 5 – 10 Minuten dauern, dann sind wir fertig. Du kannst ja solange hier drin bleiben, wenn du möchtest. Ich nickte zustimmend und setzte mich auf die Behandlungsliege. Ich hörte das Geräusch von einem Fräskopf und schon nach kurzer Zeit stand der Orthopädietechniker wieder in der Tür und zeigte mir das kleine flache Plättchen, das er in das Rückenteil meines Beckenkorbes in den Kunststoff eingearbeitet hatte. „Das ist ein kleiner Schalter, sozusagen ein temperaturgesteuertes Messgerät. Der misst die Temperatur in seiner unmittelbaren Umgebung alle zwei Minuten und speichert sie in einem Chip.“ Ich konnte mir immer noch nicht vorstellen, wie das alles funktionieren sollte und fragte nach: „Und woran soll dieses Plättchen merken, ob ich das Korsett trage oder nicht?“ Der OT grinste: „Der Chip schaltet erst bei 34 Grad erreichter Temperatur ein, was etwas unter deiner Hauttemperatur liegt. Im Klartext heißt das, dass nur alle diejenigen Stunden und Minuten gezählt werden, bei denen der Temperaturschalter eine anliegende Temperatur von 34 Grad oder höher misst. Wenn du dein Korsett korrekt angelegt hast, dann werden die Zeiten addiert, wenn du es ablegst, bleibt der Timer stehen. – So einfach ist das!“ Ich war erschüttert. Der junge Mann fuhr mit einem leichten Lächeln fort: „Es gibt eine Studie der Uniklinik Kiel darüber, die eine Versuchsreihe mit mehreren Probanten dazu gemacht hat und dazu bei jedem 64.000 Daten gespeichert und ausgewertet hat.“ Ich schluckte. „Es überrascht dich wahrscheinlich nicht, wenn ich dir sage, dass die ermittelte tatsächliche Tragedauer pro Tag bei den meisten Probanten deutlich unter 23 Stunden gelegen hat, aber die Studie hat auch ergeben, dass diejenigen, die die höchsten Tragezeiten hatten, dann auch später die wenigsten Probleme mit ihrem Rücken hatten“. Ich schaute ihn noch immer ungläubig an und überlegte mir, ob ich ihm die ganze Story glauben sollte oder ob es sich bei dem kleinen schwarzen Plättchen im Beckenkorb meiner Orthese nicht einfach nur um eine Attrappe handeln würde, mit der sie versuchen würden, mir Angst einzujagen und meine Leidensbereitschaft zum Tragen der Orthese zu steigern. Doch ich sagte nichts dazu, sondern legte die Orthese wieder ordnungsgemäß an. Dabei stellte ich erschrocken fest, dass er die Höhe des Halsrings um zwei Schraublöcher verlängert hatte. Die Kehlkopfpelotte drückte mich unangenehm in den Hals, wenn ich mich nicht absolut gerade hielt. „Mußte das sein?“ fragte ich ihn leicht genervt und er wusste gleich, was ich meinte: „Ja, leider. Die Orthese zeigt bereits Wirkung und deine Wirbelsäule hat sich schon etwas gestreckt. Deshalb musste ich die Länge des Gestänges entsprechend anpassen“. Er verliess den Raum und ich zog meine Kleidung wieder an. Als ich wieder zu meiner Mutter in den Verkaufsraum trat, versuchte ich so gleichgültig wie möglich zu reagieren, als sie mich mit fragendem Blick musterte. Ich tat so, als hätte sich nichts verändert. „Nun, wie ist der Stand der Dinge?“ versuchte sie sich unschuldig zu erkundigen. Ich beschloss, ihr nichts von dem Chip zu sagen, von dem ich mir immer noch nicht sicher war, ob er nicht gefakt war, sondern jammerte statt dessen: „Sie haben meine Orthese noch länger gemacht, so dass sie jetzt wieder so drückt und so unbequem ist wie am ersten Tag. Das ist doch echt zum Kotzen!“ Meine Mutter schaute mich mit einem strengen Blick an, weil sie solche Ausdrücke im Allgemeinen nicht ausstehen konnte, schon gar nicht in der Öffentlichkeit, aber sie sagte nichts weiter und wir machten uns wieder auf den Nachhauseweg.

Als wir zu Hause ankamen, beschloss ich mit den Informationen des Orthopädietechnikers noch einmal im Internet zu suchen, ob an der Geschichte mit dem Thermoschalter in meinem Korsett nicht vielleicht doch etwas dran sei. Ich hielt das zwar für reichlich unwahrscheinlich, doch so 100%ig sicher war ich mir dann auch wieder nicht. Ich konnte mich nicht mehr an alles erinnern, nur noch an einzelne Wörter, die der OT erwähnt hatte und gab bei google als Suchbegriffe „Kiel“ „64.000“ und „Korsett“ in die Suchzeile ein. Als die Ergebnisse eingeblendet wurden, wäre mir fast der Unterkiefer heruntergefallen, wenn das nicht die Kehlkopfpelotte wirksam verhindert hätte. Tatsächlich schien bei den gefundenen Ergebnissen zumindest ein Kurzbericht über diese Studie dabei zu sein! Diesen Zeitschalter schien es also wirklich zu geben und er war nicht gefakt!
Siedendheiß wurde mir augenblicklich der Ernst der Lage bewusst. Ich hatte keine Freiheiten mehr und meine Mutter würde meine Korsetttragezeiten konsequent überwachen und auswerten können und das ganze würde sie noch als Maßnahme zur Vertrauensbildung bezeichnen. Dabei war das die Hölle! Ich schluckte und schluckte und auf einmal gingen meine Nerven mit mir durch. Die Tränen rannen mir die Wangen herunter, meine Lippen fingen an zu zittern und ich schluchzte hemmungslos in mein Kissen, dass ich mir vor Verzweiflung vor mein Gesicht hielt. Ich war am Boden zerstört. Wie ich dieses Ding hasste! Ich konnte und wollte mir es nicht vorstellen, wie ich die nächsten Jahre mit diesem Mordsinstrument an meinem Körper in engster Verbundenheit weiterleben sollte.


 
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JoeCool


 

RE: Die Schuluntersuchung Story, 02 Jun. 2005 21:56


Nette Story !! Weiter , go, go , go ...

Aber ließe sich der Temp.chip nicht wunderbar mit einer Heizdecke besch**** ????

CU Joe
 
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fun.nie


Siedler
4 Beiträge

RE: Die Schuluntersuchung Story, 07 Jun. 2005 11:55


Mann, das hast du recht!
Da wäre ich nie drauf gekommen! Ich war total am Boden zerstört und dachte nicht, dass es eine Möglichkeit gäbe, den Temperaturchip auszutricksen! Aber vielleicht wäre er durch die mögliche zu starke Wärme zerstört worden? Keine Ahnung, wie empfindlich solche Teile sind! Es ist ja nicht ganz einfach, eine Heizdecke so zu regulieren, dass sie ca. 37 Grad Oberflächentemperatur produziert. Das Kissen, was meine Oma immer verwendet hatte, war irgendwie immer ziemlich heiß. Das hätte wahrscheinlich nicht geklappt. Und wenn dann der Chip durch Überhitzung kaputt gewesen wäre, dann hätte ich ziemlich sicher sehr blöd ausgesehen, vor allem wenn man mir auf die Schliche gekommen wäre. Trotzdem vielen Dank für dein Mitgefühl und dein Mitdenken!
fun.nie
 
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Spine-Ortho


RE: Die Schuluntersuchung Story, 12 Jun. 2005 07:47


Es ist doch ganz einfach. Der Temperaturchip ist an die typische Leitfähigkeit menschlicher Haut gekoppelt. Die Patientin muss sich zuerst einen EEG-Sensor auf die Haut kleben, dann das Korsetthemd (nathlos-faltenfrei) anziehen und dann das Korsett. Erst die typischen Enzephalogramm-Signale ZUSAMMEN mit der Körperwärme sind eine sichere Tragezeit-Kontrolle.

Bitte schreibe die Geschichte weiter!
Sehr sehr spannend!

 
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GrandHill


 

RE: Die Schuluntersuchung Story, 14 Jul. 2005 11:07


Eine tolle Fortsetzung!!

Mach bitte weiter!!

Bis dahin
 
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milwaukee


RE: Die Schuluntersuchung Story, 15 Jul. 2005 11:34


BITTE schreib weiter an deiner fantastischen Story !!!
Gerne würde ich selber so ein Milwaukee-Korsett tragen um am eigenen Leib zu spüren wie restriktiv es ist!

 
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fun.nie


Siedler
4 Beiträge

RE: Die Schuluntersuchung Story, 22 Jul. 2005 08:37


Hallo lieber Milwaukee-Fan!!
Das Milwaukeekorsett ist wirklich der Oberhammer. Ich dachte vorher auch, es wäre nicht so schlimm (du fändest es ja anscheinend eher lustig??) und hätte mir auch vorher niemals vorstellen können, dass es wirklich dazu in der Lage ist, es zu verhindern, dass man sich die Schuhe zubinden kann. Von manchen habe ich sogar schon gehört, dass sie sich nicht einmal mehr mit angelegter Orthese beim Gang auf die Toilette den Hintern selbst abputzen können, aber Gott sei Dank reichten meine Arme gerade noch so weit - ich glaube, das hätte der Demütigung die Krone aufgesetzt!
Ich weiß noch nicht, ob ich die Geschichte weiter erzählen möchte, denn es hat sich in der Tat alles noch dramatisiert und ich glaube, über manches bin ich noch nicht hinweg...
Schöne Grüße trotzdem
fun.nie
 
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milwaukee


RE: Die Schuluntersuchung Story, 29 Jul. 2005 14:57


Ich möchte ein Milwaukee-Korsett tragen, aber nicht weil ich es "lustig" finde, sondern weil ich AM EIGENEN LEIB die ERFAHRUNG machen möchte, die du gemacht hast.

Ich bin gerne bereit meine Beweggründe näher zu erläutern, aber nicht unbedingt öffentlich in diesem Forum.
Also schreib mir eine Mail und ich werde dir ausführlich erklären wie dieser Wunsch zustande kam und was ich mir davon verspreche.

Karl Ulrich
milwaukeekorsett@yahoo.de

 
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Tena Tim


RE: Die Schuluntersuchung Story, 12 May. 2006 16:30


Hallo,

wenn es nach mir ginge bekämst du zusätzlich zu dem Korsett noch eine Pampers an, das wärs. Viele Grüße Tim
 
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